Alexander Eichhorn: Ja, hallo. Ich bin Alexander Eichhorn von Eichhorn Coaching. Habe eine Optionshandels-Coachings-Unternehmen, möchte ich es mal nennen, vor zwölf Jahren gegründet. Habe mal in der Versicherung um Asset Management gearbeitet und bin da zum Thema Optionen gestoßen. Irgendwann mal mit dem Optionshandel mehr Geld verdient als Student damals und dann habe ich mich selbstständig gemacht und YouTube-Kanal, Podcast, Ausbildungen und Co. Und zwölf Jahre später bin ich jetzt hier bei dir.
Peter Heinrich: Mein Name ist Peter Heinrich vom Börsenradio. Wir sind im Call nach Düsseldorf zu den Optionstagen gefolgt. Wir sind hier im mobilen Podcast-Studio und stehen genau vor der Messehalle. Was sind Optionen? Damit habt ihr gestartet. Was ist seitdem passiert? Warum sind Optionen oder man könnte sagen, warum sind im Optionenhandel plötzlich ja so viel Energie drin? Also da gibt es viel mehr Tempo bei Optionen.
Alexander Eichhorn: Ich glaube, viel hat auch die amerikanische Börse gemacht. Also einfach marketingtechnisch in den europäischen Raum mehr gegangen oder auch auf europäische Produkte. Vielleicht haben auch, sagen wir mal, andere Emittenten Optionsscheine und Co. das etwas verschlafen, Trend in Deutschland auch. Und dann haben sie einfach viel, viel Produktentwicklung gemacht. Also von Volatilitätsprodukten, die dazu kamen. Der Spread wurde enger, die Gebühren sind massiv runtergegangen. Also es sind eigentlich alles in positive Richtung, was Thema Optionen gegangen ist. Und ich denke, der eine oder andere YouTuber, vielleicht auch wir, haben auch dazu beigetragen, dass es in den letzten Jahren einfach dazu kam.
Peter Heinrich: Ja, Thema YouTube. Ihr habt ja auch ein Video. Jeden Monat 1.000 Dollar mit Optionen. Läuft gut. Aber Hand aufs Herz, ist es Clickbait oder ein realistisches Ziel? Also verschweigt der Titel zwangsläufig was?
Alexander Eichhorn: Ich würde sagen beides. 1.000 Dollar ist immer relativ. Wenn man mit, ich übertreibe mal, 100 Millionen handelt, ist es dann viel oder nicht. Peanuts. Peanuts. Wenn man das natürlich mit 10.000 Dollar schafft und jeden Monat 1.000 Dollar damit Gewinn realisiert, also 10 Prozent, ist es natürlich sehr, sehr gut. Fast schon utopisch. Also es kommt ein bisschen aufs Konto an. Ich würde sagen, mit gerade mal niedrigen sechsstelligen Summe ist es absolut möglich, niedrige vierstellige Beträge pro Monat regelmäßig unabhängig der Marktlage zu erwirtschaften.
Peter Heinrich: Viele kommen ja in den Markt hinein, auch für Ausbildungen mit der Idee, passives Zusatzeinkommen. Wo kippt diese Verheißung in gefährliche Selbstüberschätzung? Woran merkt man, ich mache mir da gerade was vor, und passiv klingt ja auch sehr bequem.
Alexander Eichhorn: Also passiv gibt es meiner Meinung nach zumindest fast nicht. Nicht mal bei Immobilien, da muss man sich auch um den tropfenden Wasserhahn kümmern oder um die Abrechnung. Also vielleicht noch Dividendeneinkünfte, wenn man wirklich buy and hold macht, da könnte man noch ein bisschen annähernd passiv hingehen, aber selbst dann muss man ja irgendwas mit der Steuer noch machen und noch mal die Aktien anschauen. Also passiv gibt es für mich eh nicht, im Vorgang nicht im Optionshandel. Also da muss man immer etwas tun, backtesten. Selbst wenn man es automatisiert handeln lassen würde, dann muss man trotzdem am Ball bleiben. Also passiv ist es gar nicht.
Peter Heinrich: Diversifikation in Rum und Wein, habe ich das richtig verstanden? Ist das Genuss mit Rendite oder eine ernsthafte Strategie?
Alexander Eichhorn: Eine ernsthafte Strategie, also wo fange ich da an? Thema Wein, ich sage mal Spirituosen, Weininvestment, gibt es schon lange. Das haben wir ja nicht erfunden oder so.
Peter Heinrich: Seit den Römern?
Alexander Eichhorn: Ja, also das gibt es seit Jahrzehnten. Da gibt es auch wirkliche Weinbörsen mit Indizes für Burgund, für Bordeaux, für italienische Weine. Also das läuft eigentlich ab wie in der richtigen Terminbörse, wie in Chicago. Natürlich kann ich jetzt nicht zum Supermarkt gehen und die teuerste Flasche im Regal kaufen. Das ist natürlich nicht der Weg. Nur so vielleicht ein, zwei hundert Weingüter sind überhaupt investierbar, die irgendwo den Namen verdienen. Da muss man sich natürlich auch sehr gut auskennen, aber das kann man alles über einen Zollfreilager abwickeln. Und da ist natürlich auch klar, da hat man jetzt nicht 80 Prozent des Portfolioswertes drin.
Peter Heinrich: Ich kenne den Begriff Zollfreilager eigentlich nur im Begriff von Edelmetallhandel.
Alexander Eichhorn: Ist da auch. Also ist daneben, ein Regal daneben, kann das sein, dass da Edelmetalle gelagert werden. So Spitzenrotweine, Champagner sind ja auch von der Lagerung jetzt nicht so fragil, wie man vielleicht meint. Die reicht, wenn man da irgendwie 17, 18 Grad hat. Das halt permanent. Also meistens sind die wirklich in so einem Atomschutzbunker gelagert und es ist für uns einfach ein nettes.
Peter Heinrich: Wie sagtest du? Reicht eine einfache Lagerung Atomschutz, also meinst du einer, der nicht mehr aktiv ist?
Alexander Eichhorn: Genau, gibt es da in England einige. Und deshalb eigentlich wirklich gibt es viele Statistiken, null korreliert, also ich gebe damit die Minus 1 und 1, was komplett korreliert ist, handelt er positiv oder negativ und wir haben wirklich 0,0. Haben also nichts mit dem Aktienmarkt an sich zu tun und ja, das ist so der Riesenvorteil und schafft auch langfristig eine Rendite, sag ich mal so Aktienmarktmäßig, also so 5, 6, 7 Prozent pro Jahr.
Peter Heinrich: Das heißt ihr trinkt da nichts, oder?
Alexander Eichhorn: Sollte man eher nicht machen als Investment vielleicht, das wäre dann eher der Totalverlust.
Peter Heinrich: Also der normale Wein vom normalen Händler.
Alexander Eichhorn: Genau, ja, also so Investment-Weine, die gehen halt auch, also unter 4-stellig die Flasche, ist da ja nichts am Markt zu haben.
Peter Heinrich: Ja, tasten wir uns ran, so ein bisschen für Anfänger. Optionen als Diversifikation? Ja, nein? Okay, ich glaube die Antwort weiß ich schon. Sollte man ohne Optionserfahrung gerade wegen Diversifikation anfangen oder ist das genau die falsche Motivation?
Alexander Eichhorn: Nein, also auf gar keinen Fall deswegen. Es ist, also ich sage immer, ja natürlich, Optionen wegen Diversifikation, aber selbst wenn ich sage, ich möchte keine Option handeln, weil mir das zu komplex ist, haben Optionen einfach sowas Tolles, weil ich verstehe die implizite Volatilität, ich verstehe die Märkte viel, viel besser. Ich kann das als Indikator nutzen, wenn ich die implizite Vola verstanden habe, die ganzen Volatilitätsindizes anschauen, was ja alles durch Optionen irgendwie bepreist wird oder ausgerechnet wird. Also ich verstehe halt einfach den Markt viel, viel besser, selbst wenn ich Optionen nicht handel. Und wer dann sagt, er möchte in Optionen handeln, der hat natürlich ein vielseitiges Werkzeug in der Schublade liegen, ob er Future-Händler, Bindhold-Investor, Krypto-Anleger, also man kann sie hedgen, man kann Zusatzeinkommen verdienen, man kann etwas short, man kann es long gehen, man kann auf Zeitwertverfall, Vola, long, short, also man hat einfach so ein vielseitiges Werkzeug. Egal was man handelt, man hat einfach was ein schönes in der Schublade liegen, was man dann nutzen kann und das sollte man sich halt vorher mal mit beschäftigt haben, bevor man es braucht.
Peter Heinrich: Der Vix hört man ja oft, häufig, auch bei euch natürlich, für Einsteiger gedacht. Erklären wir mal den Vix in einem Satz, auch für Hörer, die vielleicht im Auto sitzen und direkt danach, was kann ich damit praktisch anfangen? Kann ich den Vix kaufen, wenn ja? Was kaufen Leute stattdessen wirklich, wenn sie glauben, sie kaufen den Vix und wo liegt der typische Denkfehler? Also eine ganze Reihe von Fragen.
Alexander Eichhorn: Ja, kriegt ich drei Sätze? Ja. Ist auch der Angstbarometer immer genannt, der VIX. Ich sage es mal ganz einfach, der misst, wie viel Angst und Panik in den Märkten ist, wenn es ein Bullenmarkt ist. Wenig Angst. Wenn wir einen Corona-Crash haben, wie 2020 im März, dann viel Angst und dann steigt der Volatilitätsindex an. Ganz unmathematisch formuliert. Kann man den handeln? Schöne Frage. Jein. Direkt nicht. Indirekt gibt es ganz viele Produkte darauf. Man kann Volatilitätsprodukte, dafür bräuchten wir jetzt noch zwei Stunden im Podcast, kann man da einiges machen. Ansonsten kann man auch Optionen kaufen oder auch verkaufen und die sind immer von der Volatilität beeinflusst. Normaler Bullenmarkt herrscht wenig Angst. Optionen sind günstig. Einfach in Milchmädchenrechnung könnte ich Optionen kaufen. Wenn dann die Angst oben ist, dann sind die Optionen teuer. Man könnte es dann wieder verkaufen bzw. dann auch oben die Optionen verkaufen, leer verkaufen, als Stilhalter agieren.
Peter Heinrich: Du bist ja Coach.
Alexander Eichhorn: Ja.
Peter Heinrich: Und da gibt es so einen psychologischen Effekt. Viele traden heimlich alleine und reden nicht mal mit dem Partner drüber. Was bringt eine Community dann? Bessere Trades oder besseres Gefühl? Und was ist bei euch der konkrete Mehrwert von Events irgendwie?
Alexander Eichhorn: Also ist extrem wichtig, weil man ist halt als Optionshändler alleine. Meistens im privaten Umfeld. Man hat vielleicht noch ein, zwei, mit denen man sich unterhalten kann. Aber gerade den Austausch mit Leuten, die genau die gleiche Strategie vielleicht sogar handeln, ist es schon mal super, wenn ich sage, okay, läuft es bei dir gerade auch so schlecht wie bei mir? Ja und ja, ja, ja. Und zehn andere sagen auch ja, dann weiß ich schon mal, okay, ich habe vielleicht keinen Fehler gemacht. Es ist gerade einfach so. Und wenn ich das halt nicht habe, dann muss ich mich schon sehr rational hinterfragen, ob ich alles gerade richtig mache. Und das ist einfach der Austausch miteinander viel, viel einfacher, viel, viel besser. Also das ist extrem sinnvoll. Events, wie die Optionstage, andere Messen. Zum einen natürlich, um Leute kennenzulernen. Man kriegt ja auch mit, okay, der war bei dem, ja, ich habe das gehandelt, das hat gut funktioniert. Also einfach der Austausch innerhalb von so kurzer Zeit, denke ich, extrem schnell, wertvoll. Wenn man einfach so einen Einblick mal kurz querbeet über alles Mögliche bekommt. Und deswegen sollte man gerade, wenn man so ein Anfänger ist und in den ersten ein, zwei, drei Jahren unterwegs ist, denke ich, einige von solchen Events besuchen.
Peter Heinrich: Zu eurem Vortrag. Rendite durch Zeit klingt nach Geduld, aber Kalenderspreads sind ja ziemlich konkret. Also in welchen Marktphasen sind Kalenderspreads euer To-Go und wann lieber Finger weg davon?
Alexander Eichhorn: Ja gut, die kann ich umsetzen, wie man möchte. Das nach dem Motto. Also die kann ich so steigende Volatilität umsetzen, kann ich auch fallende Volatilität umsetzen. Wir machen das ja eher noch mit Earnings häufig. Gerade wenn große liquide Titel Earnings haben, dann ein paar Vorteile kommen dann auch, wenn es nicht so gut läuft, gut raus. Und im Prinzip sagt man, also wir sagen, okay in den Earnings ist sehr viel Unsicherheit. Wir gehen davon aus, dass nicht so viel passiert, egal ob positiv oder negativ. Und dann verdienen wir Geld. Logischerweise muss man aber auch für den anderen Fall, wenn vielleicht doch ein Ausreißer nach oben oder unten passiert, dann Absicherungsstrategien haben. Aber gerade diese Earningszeit ist für uns dann, was die Strategie angeht, ja die hochprofitable und Hochfrequenzbereich, wo wir da wirklich einige Trades pro Woche machen.
Peter Heinrich: Gehen wir noch ein bisschen in die Praxis rein. Wenn ich jetzt morgen einen Kalenderspread bauen will, was sind eigentlich die häufigsten Anfängerfehler? Du hast ja Earnings jetzt angesprochen, Underlying, Bewegung, Laufzeiten, die IV-Niveau, welche Checkliste muss man abarbeiten?
Alexander Eichhorn: Die häufigsten Anfängerfehler, ich würde einfach mal ein Profit und Loss Diagramm aufrufen. Das kann man mit der Trader Workstation ja ganz gut. Und auch mal die Tage, was ein Kalenderspread heißt, ja ich verkaufe vielleicht eine Option mit 10 Tagen und kaufe was mit 15 Tagen dazu. Einfach mal als Beispiel, zwei unterschiedliche Verfallstermine. Und das würde ich dann einfach mal durchklicken, weil das kann ich dann sehr gut kalkulieren. So sagen, okay, was passiert morgen, übermorgen und so weiter. Kann ich jeden einzelnen Tag wissen, was verfallt, durchklicken. Kann noch ein paar Annahmen annehmen, meinetwegen 10% minus, plus 20%. Und das sollte man halt einfach mal durchkalkulieren. Ist natürlich alles ein bisschen hypothetisch, aber das gibt einem einen ganz guten Eindruck. Und ein Anfängerfehler ist auch, dass sich Werte verändern. Also Griechen verändern sich. Die Dinge, die Optionen beeinflussen, die bleiben nicht stabil. Gerade im Bereich von Earnings tut sich da einiges. Und das ist auch häufig so ein Anfängerfehler. Und man sollte auf jeden Fall halt auch mal die Extremen kalkulieren, was ich gerade gesagt habe. Also was macht die Aktie mal minus 50% und plus 50%? Das sollte man auf jeden Fall auch auf einem Schirm haben, diese Worst-Case-Risiko. Das ist ja bei Stillhalterstrategien eventuell, wenn man sich nicht richtig abgesichert hat, exorbitant groß sein.
Peter Heinrich: Danke für die Learnings, Alexander.
Alexander Eichhorn: Merci. Danke, Peter.
