Optionen verstehen: Vincenzo Zinna erklärt Black-Scholes und Handelsstrategien

Optionen verstehen: Vincenzo Zinna erklärt Black-Scholes und Handelsstrategien

Vincenzo Zinna bei CapTrader
Vincenzo Zinnà
EUREX

Vincenzo Zinna: Vincenzo Zinna, ganz kurz Enzo. Ich bin über 40 Jahre im Derivatebereich tätig, bin momentan bei der Eurex seit 11 Jahren und betreue da Schweizer und italienische Kunden, Banken, Pensionskassen und so weiter und habe natürlich auch schon Gewinne und Verluste gemacht. Kann man sich gut vorstellen.

Peter Heinrich: Damit Sie die Stimme zuordnen können, mein Name ist Peter Heinrich vom Börsenradio. Wir sind unterwegs mit unserem mobilen Podcaststudio, diesmal in Düsseldorf bei den Deutschen Optionstagen. Das ist ja ein super Saal. Ich habe vorhin ganz kurz reingespitzt, ich musste Interviews machen, aber ziemlich voll.

Vincenzo Zinna: Ziemlich voll, das ist wirklich ganz schön. Wir waren ja, die Eurex war ja letztes Jahr schon dabei und wir sind auch dieses Jahr wieder Sponsor und lieben diese Veranstaltung. Es sind ja rund 500 Personen in dem Saal und was ja ganz enorm ist, das sind ja Personen, die schon wissen, was eine Option ist und sehr konkrete Fragen auch zu Strategien stellen.

Peter Heinrich: Also nichts für Einsteiger?

Vincenzo Zinna: Doch, ich habe ja auch in meinem Vortrag versucht, das Einfache zu zeigen, respektive Einsteiger antworten, ich sage jetzt zu geben oder Einsteigerfragen zu beantworten. Also was ist ein Call? Wieso kauft man einen Call? Ah, man hat irgendwo einen Hebel, einen sogenannten Leverage und danach bin ich dann erst in den Bull-Call reingegangen, weil ich ja beide mitnehmen wollte.

Peter Heinrich: Der Call kam ja von CapTrader, der Call nach Düsseldorf sozusagen. Was dich auszeichnet, was ich so gemerkt habe, ist glaube ich, dass du schwere Kost einfach verpacken kannst.

Vincenzo Zinna: Das ist ganz schön gesagt.

Peter Heinrich: So einfach, dass es sogar mein Enkel verstehen würde. Jetzt machen wir einen Sprung von Enkel zu gewissen Begrifflichkeiten. Kannst du mir die Bedeutung von Black-Scholes, dieser Formel erklären? Es klingt am Anfang erst mal nach Mathe-Monster. Was ist die Idee dahinter? Kann ich das irgendwie übersetzen mit so eine Art Taschenrechner für Optionspreise?

Vincenzo Zinna: Taschenrechner für Optionspreise, das klingt ganz gut. Und das Schöne ist, in keinem meiner Seminare, ob Grundseminar oder fortgeschritten, verwende ich das Wort Black-Scholes. Black-Scholes, ja, das ist die ganze Formel dahinter. Ich versuche das einfach zu sagen und sage, hey, worauf ihr achten müsstet, sind die Zinsen, das ist die Laufzeit, ist die Volatilität. Und das sind eigentlich alles Punkte, die in dieser Black-Scholes drin sind. Nur die Black-Scholes, die ist wirklich, wenn man die anschaut, mit Wurzel, weiß ich was alles, relativ komplex. Und ich sage, hey, vergesst die Black-Scholes-Formel, wenn ihr Anfänger seid und sagt, okay, worauf muss ich achten, wenn ich eine Option kaufen will? Die Zinsen haben einen Einfluss, aber kleinen Einfluss, habe ich jetzt gehört. Uh, Volatilität kannte ich nicht, hat einen großen Einfluss. Halbierung der Volatilität heißt Halbierung eines Optionspreises, wenn er at the money ist. At the money heißt, wenn die Aktie 100 ist und der Strike 100 ist.

Peter Heinrich: Auf der anderen Seite kann man sagen, gewisse Software hilft ja auch.

Vincenzo Zinna: Ja logisch, gewisse Software hilft. Also es gibt ja viele Optionspreisrechner, die man online herunterladen kann. Und dort sind ja diese Black-Scholes alle drin. Aber dort kann man dann eingeben, eben das, was ich vorher gesagt habe. Zinsen erwartet man, dass die Zinsen von 2 auf 3% draufgehen. Da wird man es relativ schnell sehen, kein Einfluss. Geht die Volatilität hoch von 14 auf 28, grosser Einfluss. Geht die Dividende von 2 auf 4, kleiner Einfluss. Und das sind so die Faktoren, damit man die Formel gar nicht kennen muss, aber mit diesen Optionsrechnern, die überall auf den Seiten sind, kann man das relativ einfach nachvollziehen.

Peter Heinrich: Das heißt, wenn ich in die Optionsgrundschule gegangen bin, brauche ich die Formel eigentlich nicht genau zu kennen, sondern mir reicht es aus, Kurs, Strike, Restlaufzeit, Zinsen, erwartete Schwankungen. Wenn ich das so grob verstanden habe.

Vincenzo Zinna: Ja genau, du solltest ja wissen, was beeinflusst deinen Optionspreis und was beeinflusst den Großen und was beeinflusst den Kleinen. Also deshalb sage ich Zinsen, Dividenden, kleiner Einfluss. Also vergiss das. Schau, dass du die Volatilität im Griff hast.

Peter Heinrich: Okay, verlassen wir mal die Grundschule. Hier sehen wir auch viele Profis. Wo steckt es noch drin? Pricing, Risiko, Margin? Mach doch mal ein, zwei Beispiele. Also was beeinflusst die Kosten? Was beeinflusst den Optionspreis?

Vincenzo Zinna: Ja. Also ich bin nicht so ein Fan von Long Call länger zu halten als 10 Tage. Weil wir haben den Zeitwert und der Zeitwert eben im Zeitwert drin sind Zinsen, sind Volatilität und all das. Wieso sage ich das? Weil innerhalb, also im Durchschnitt verliert die Option innerhalb der ersten 10 Tage 20%. Einfach an Zeitwert. Ich werde teilweise ermahnt, was heißt, ja aber ich kaufe eine 3-Jahres-Option. Da muss ich sagen, ui, 3-Jahres-Option, also ich, da bezahlst du ja Volatilität, wo ich keine Ahnung habe, ob das die richtige ist. Du kaufst irgendetwas auf 3 Jahre, wo ich nicht mal weiß, was übermorgen geschieht.

Peter Heinrich: Ja, vor allem in Trump-Zeiten. Du weißt ja nie, wir sind heute Morgen aufgewacht und plötzlich krachts im Iran zum Beispiel. Also die Welt ändert sich ganz schnell. Aber nochmal, du hast ja auch einen Vortrag gehalten. Mach doch noch mal ein Beispiel, um das besser zu verstehen. Long Call oder Bull Call Spread. Gib mir mal eine Entscheidungsregel, eine ganz einfache. Du hast ja gesagt, wann ist der Long Call besser und wann ist der Spread besser?

Vincenzo Zinna: Also der Long Call, ich sage innerhalb der ersten 10 Tage, da läuft der Long Call besser, also wenn natürlich der Markt steigt. Und ich sage immer wieder, du musst ja nicht nur die Marktmeinung haben, der Markt steigt, sondern du musst sagen, wie viel steigt er, in welcher Zeit? Sind es 10 Tage, sind es 15 Tage und der Markt steigt. Damit ich einen Call kaufe, muss der Markt Minimum, und ich bin halt ein bisschen aggressiver, in den nächsten 5 Tagen Minimum 5% steigen. Sonst kaufe ich keinen Call, sonst mache ich einen Bull Call Spread. Ich habe beim Seminar ein Beispiel gezeigt, wo ich einen Put gezeigt habe, wo der Markt 4% gesunken ist innerhalb von 15 Tagen, wo der Bear Spread besser war als der Long Put.

Peter Heinrich: Was ist, wenn deine Meinung falsch ist?

Vincenzo Zinna: Das ist ein guter Punkt. Bei Fehlern, also ich lerne ja mehr aus Fehlern als aus Gewinnen. Es ist ja schön, wenn man Gewinne macht, aber aus Fehlern wirklich lernt daraus, schaut, dass ihr die nicht wiederholt. Und dann gibt es eben noch etwas, was ich sage, ich sage immer wieder, wenn ihr Gewinne macht, gönnt euch was, wenn ihr Verluste macht, gönnt euch was. Weil wenn ihr 1000 Euro verloren habt, dann könnt ihr auch noch 100 Euro für ein gutes Abendessen bezahlen.

Peter Heinrich: Ja, okay. Also wenn man gewonnen hat, schönes Abendessen, wenn man verloren hat, Schokolade oder?

Vincenzo Zinna: Nee, wenn man verloren hat, auch gutes Abendessen, damit man guten Mut hat.

Peter Heinrich: Wann ist der Long Call besser und wann das Spread?

Vincenzo Zinna: Der Long Call, eben wie gesagt, ich war Market Maker, also ich bin relativ kurzfristig unterwegs. Also von dem her, ich würde jetzt nie einen Long Call auf 10 Tage kaufen, nicht mal auf 5 Tage. Der Bull Spread, der ist definitiv besser, wenn du eine Marktmeinung hast und es heißt ja immer, der Bull Spread, du musst eine neutrale Marktmeinung haben. Da bin ich total anderer Meinung. Du kannst sogar stark positiv sein. Du kannst sagen, hey, ich glaube 6% in 20 Tagen, da fahre ich mit dem Bull Spread immer noch besser als mit einem Long Call. Ich mache nur ein kleines Beispiel, das ich jetzt hier im Seminar auch gezeigt habe. Der 520er Call, der kostete 24 und der 540er Call 13. Wenn du nur den 520er Call gekauft hättest bei 24, hättest du einen sogenannten Break Even von 544. 520 plus die 24 gibt 544. Die Aktie war bei 530 einhalb. Hätte ich jetzt den Bull Call Spread gemacht, was ich mache, bezahle ich keinen Zeitwert, weil ich kaufe den 520er Call bei 24 und verkaufe den 540er Call bei 13. Das ergibt 11, die ich bezahlen muss. Mein Break Even ist 520 unterer Strike plus die 11 gibt 531. Aktie ist bei 530 einhalb. Also das heißt, ich habe so viel Zeit, wie ich will, weil ich verliere keinen Zeitwert.

Peter Heinrich: Die Volatilität ist ja oft der Spielverderber. Also wieder falsche Meinung sozusagen. Wann frisst die implizite Wohler den Gewinn, obwohl die Marktrichtung stimmt?

Vincenzo Zinna: Ganz gute Frage. Die Volatilität in der Theorie ist, es geht stark hoch oder stark runter. Gleiche Volatilität. Reine Theorie. Die Praxis zeigt, wenn der Markt sinkt, steigt die Volatilität. Wenn der Markt steigt, sinkt die Volatilität. Ich habe auch in meinem Vortrag ein Beispiel gebracht, wo ich gesagt habe, wenn ihr jetzt hier in diesem Zeitpunkt, ob das nun April oder im August letzten Jahres war, wenn der Markt stark gesunken ist, aber die Volatilität eben bei 35 Prozent oben ist, denkt, ja, so jetzt kaufe ich einen Long Call. Der Markt steigt und die Volatilität sinkt von 35 auf 18, also halbiert sich. Das heißt, der Optionspreis steigt nicht so viel an, wie du erwartet hast. Da wäre der Bull Call Spread, eben weil du volatilitätsunabhängig bist, viel besser gewesen.

Peter Heinrich: Meine persönliche Frage, hattest du schon mal die richtige Marktmeinung und trotzdem Geld verloren? Was war der Grund? Timing, Volalaufzeit, Risikomanagement?

Vincenzo Zinna: Da muss ich lange zurückdenken. Ich will jetzt da nicht irgendwie arrogant wirken. Aber es flutscht. Also ich sage, wenn ich die richtige Marktmeinung habe, habe ich das richtige Produkt. Ich habe mal auf einem Excel-File sogar sowas zusammengestellt für Freunde, die mich gefragt haben, hey, was ist deine Marktmeinung, wo du eingeben konntest, hey, ich glaube, in den nächsten zehn Tagen geht der Markt vier Prozent hoch und die Vola macht das und das. Was ist das Produkt? Und dann kam dann heraus, hey, Bull Spread oder Short Put oder Straddle oder Strangle oder so etwas. Und das ist natürlich alles, das habe ich alles im Kopf. Das muss ich nicht mehr überlegen. Aber für Freunde habe ich dann da so einen Excel-File zusammengestellt. Also wenn ich jetzt die richtige Marktmeinung habe, was ich nicht immer habe.

Peter Heinrich: Ich wollte dich gerade fragen, hast du jetzt heute eine Marktmeinung? Also heute, letzter Februartag 2026, Samstag. Samstagvormittag, kurz vor zwölf.

Vincenzo Zinna: Ist eine spezielle Situation momentan. Also nein, ich habe keine Marktmeinung. Dazu kommt noch.

Peter Heinrich: Du darfst wahrscheinlich keine haben, wenn du bei der Eurex arbeitest.

Vincenzo Zinna: Wollte gerade sagen, als Eurex darf ich natürlich nicht sagen, hey, kauft jetzt das und das. Was ich natürlich sagen darf, hey, schaut die Eurostox 50 Produkte an. Die haben so enge Spreads. Wir haben im letzten Jahr wirklich viel daran gearbeitet. Und da hat es wirklich super Volumen und enge Spreads. Da könnt ihr schauen, ob ihr dann Bull Spread oder Bear Spread machen wollt. Wir haben DAX, also unsere DAX Futures zum Beispiel. Das sind so typische Day Trading. Das ist ein typisches Day Trading Produkt, wo morgens gekauft wird und abends sind die weg. Wir sprechen ja bei der Eurex immer von Open Interest. Und das siehst du beim DAX, dass der hat praktisch kein Open Interest, weil die eben Intraday gehandelt werden.

Peter Heinrich: Also du lernst auch viel durch eigene Fehler. Das haben wir vorhin diskutiert. Optionshandel kommt ja eigentlich aus den USA. In Europa holt der Optionshandel auf. Was kann eigentlich die Eurex dazu beitragen?

Vincenzo Zinna: Ich muss so sagen, ich bin ja, ich habe gesagt, ich bin ja über 40 Jahre da im Derivatebereich tätig. Ich war auch 1987, als ja eigentlich die Eurex gestartet ist. Das war ja damals, ich sage es immer, wer hat es erfunden? Das war ja die Schweiz, das war ja die Soffex, Swiss Option and Financial Futures Exchange in 87. Und dann hat ja 1991 wurde die Soffex ja angefragt. Hey, können wir das auch haben? Das ist ein deutscher, cleverer Mann und die hieß dann Deutsche Terminbörse. 1998 sind ja dann die Soffex und die Deutsche Terminbörse zusammengegangen und die jetzige Eurex geworden. Damals hatten wir irgendwie zu Beginn 10.000 Kontrakte oder am Anfang 2.000 Kontrakte pro Tag. Und dann hatten wir 10.000, waren schon happy. Und heute sind es ja Millionen Kontrakte, die wir täglich haben. Was kann die Eurex machen, damit wir mit den USA standhalten können? Wir müssen natürlich sagen, dass es in den USA eine Facebook, die hat so viel Marktkapitalisierung wie der ganze DAX. Also das heißt, da kann die Eurex natürlich nicht beisteuern, dass die deutschen Titel auf einmal teurer werden oder eben. Daher gibt es natürlich anderes Volumen. Trotzdem, wenn ich nochmals auf unsere typischen Eurostocks 50 oder DAX hinweise, dort hat es wirklich geniales Volumen. Also wir haben ja auch, weil wir vorher von der Volatilität gesprochen haben. Wir haben ja auch den sogenannten V-Stocks. Das ist ja ein Futures auf die Volatilität. Man kann diesen auch benutzen, um Aktien abzusichern, um zu sagen, hey, ich habe Angst, dass jetzt irgendwo was passiert. Aber ich will jetzt keinen Put kaufen und ich habe gehört, der Enzo hat gesagt, ein Long Put hält man nur 10 Tage. Also kaufe ich doch einen V-Stocks Future und der bleibt mehr oder weniger gleich. Und wenn etwas geschieht, dann geht der wirklich brutal hoch, weil ich ja auch wieder bei Enzo gelernt habe, der Markt sinkt stark. Volatilität steigt stark an. Der Markt steigt an, Volatilität sinkt wieder. Also sind wir mit einem Long V-Stocks Future gehedget, sollte der Markt sinken.

Peter Heinrich: Top, Enzo, ich danke dir.

Vincenzo Zinna: Ich danke dir, Peter.

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