Martin Goersch: Börsenradio Network AG. Die Expertenmeinung. Mein Name ist Martin Goersch und ich bin professioneller Trader. Und das, was so mein Hauptbereich ist, ist, ich habe einige Business-to-Business-Kunden, zum Beispiel Onvista ist einer meiner großen Kunden. Für die mache ich Marktanalysen für deren Kunden. Das heißt, ich habe eine tägliche YouTube-Sendung. Da informiere ich die Zuschauer über die aktuellen Tagesgeschehnisse, über das, was im Aktienbereich gerade bei Einzelwerten läuft.
Peter Heinrich: Hast du schon über Iran-Krieg berichtet?
Martin Goersch: Nein, das ist ja ganz frisch gerade erst. Aber ich bin gerade dabei, den Marktüberblick für die Woche zu schreiben. Und da ist es natürlich eines der Hauptthemen.
Peter Heinrich: Ja, ein ernstes Thema. Leider. Wobei man sagen muss, es ist typischerweise für die Börsen mittelfristig eher ein Non-Event.
Martin Goersch: Das finde ich spannend. Lass uns damit gleich einsteigen.
Peter Heinrich: Damit man meine Stimme noch zuordnen kann. Peter Heinrich vom Börsenradio. Wir sind dem großen Call gefolgt nach Düsseldorf zu den Optionstagen von CapTrader. Die Märkte haben zu. Okay, das Einzige, was offen war, ist Bitcoin. Kann man Bitcoin schon was ablesen?
Martin Goersch: Ja, es ist ein bisschen mehr unter Druck wieder.
Peter Heinrich: Aber nicht so schlimm, ne?
Martin Goersch: Naja, der kam ja von 70.000 direkt schon wieder runter auf 64.000. Also wir waren schon zwischenzeitlich unter 64.000. Also wir sehen auf jeden Fall nach wie vor Risk-Off-Sentimente im Markt.
Peter Heinrich: Eigentlich müsste der steigen. Nee. Warum tut er das nicht? Ich vermute, Öl wird steigen am Montag, Gold wird steigen.
Martin Goersch: Ja, Gold steigt schon. Ich habe mir vorhin die Wochenend-Indikationen angeschaut. Wir haben heute Samstag und selbst da ist es so, dass Gold schon kräftig angestiegen ist. Wir sind schon über 5.400 Dollar in der Wochenend-Indikation. Wir haben ungefähr ein Prozent Minus gehabt auf den großen US-Indizes. Und ich denke, das wird auch so die Range sein, in der wir dann den Markt eröffnen. Also Gold rauf, Indizes runter, Bitcoin runter.
Martin Goersch: Und die Märkte? Bitcoin ist halt einfach ein Risikotool. Das ist wirklich die Mutter aller Risikoklassen, könnte man sagen.
Peter Heinrich: Das ist schön. Also ich würde es auch erklären. Bitcoin ist Non-Valeur. Es ist kein innerer Wert drin.
Martin Goersch: Genau.
Peter Heinrich: Genau. Warum sollte ich als Unternehmer mein Geld in Bitcoin speichern, weil ich nicht weiß, ist es am Montag vielleicht 10.000 Dollar kaputt gegangen.
Martin Goersch: Ja, es ist ein Problem. Und es sind ja wirklich auch immer mehr Unternehmen, die tatsächlich Bitcoin in der Bilanz haben. Ich bin gespannt, ob das im laufenden Jahr noch ein Trend wird, dass das abgebaut wird, weil es einfach doch jetzt wieder ein Risiko ist. Und ich glaube, viele Anleger sind von dieser hohen Volatilität doch noch überrascht. Man hat gedacht, dass das vielleicht vorbei ist, seit die ETFs da sind und institutionelles Geld da reinfließt. Aber anscheinend ist es nicht so. Es ist im Prinzip genau die gleiche Bewegung, die wir in den letzten drei Zyklen gesehen haben bei Bitcoin. Das ist nicht ungewöhnlich. Und von daher kann das auch noch unter 50.000 fallen.
Peter Heinrich: Okay. Vielleicht ist es schon so unter 50.000, sobald ich es geschnitten habe und online gestellt habe.
Martin Goersch: Alles möglich. Es ist ja auch schwierig.
Peter Heinrich: Die Zeiten sind auch vorbei und dann schließen wir Bitcoin ab. Jetzt kauft ja auch keiner mehr einen Tesla mit Bitcoin.
Martin Goersch: Nein. Aber Bitcoin hat, glaube ich, in der letzten Zeit und gerade im letzten Jahr sowieso ein wenig seine Daseinsberechtigung verloren. Weil die Story, die eben um Bitcoin aufgebaut worden ist, als Hedge für unsichere Zeiten, hat nicht funktioniert. Als es richtig losging, sind die Leute alle in Gold geflüchtet. Natürlich dann entsprechend in Silber und die anderen Edelmetalle, die alle mit hochgegangen sind.
Peter Heinrich: Frage an den Daytrader. Wir wissen nicht, wie die Glaskugel funktioniert. Wie werden denn die Aktienmärkte vermutlich am Montag reagieren? Weil politische Börsen haben kurze Beine. Aber gilt das auch in Kriegszeiten?
Martin Goersch: Das gilt typischerweise auch in Kriegszeiten. Also wenn man sich anschaut, wie in der Vergangenheit die Märkte reagiert haben, so über die letzten 50 Jahre zu geopolitischen Events, dann ist das maximal kurzfristig ein Einfluss. Vielleicht auf Sicht weniger Tage bis ganz weniger Wochen, dass man mal ein bisschen abwärts driftet. Und ansonsten haben wir mittel- bis langfristig danach immer stark steigende Kurse gesehen. Die einzigen Phasen, in denen das anders gewesen ist, waren tatsächlich Phasen, bei denen solche geopolitischen Events zusammengefallen sind mit Rezessionsphasen in Amerika. Da waren dann deutlichere Rückgänge zu sehen. 17, 18, 19, 20 Prozent. Normalerweise sind das so schlimm, wie es für die Menschen da ist, sind es tatsächlich für die Finanzmärkte mehr oder weniger Non-Events. Es wird wahrscheinlich darauf ankommen, ob Ölanlagen angegriffen werden und damit auch dann getroffen werden, dass vielleicht die Ölpreise stärker ansteigen. Das hätte dann natürlich einen Einfluss auf die Inflation. Das hätte einen Einfluss auf die Gesamtwirtschaft. Und dann kann sich das auch an den Finanzmarkt mittelfristig durchschleichen. Aber normalerweise, solange der Ölmarkt da außen vor bleibt und auch der Finanzmarkt außen vor bleibt, ist das tatsächlich ein Non-Event.
Peter Heinrich: Soweit die Marktmeinung von Martin. Definieren wir noch einen Zeitstempel, wenn das jemand später hört, damit er weiß, wann wir darüber gesprochen haben, Samstag Nachmittag. Es ist jetzt 15.59 Uhr.
Peter Heinrich: Du bist Daytrading-Coach. Du bist ja wegen Sport nach China gegangen. Was ist das für eine Story? Dann musst du ein bisschen umdenken gesundheitlich. War Trading Plan B oder schon irgendwie die Leidenschaft da bei dir drin?
Martin Goersch: Nee, Trading war tatsächlich schon immer ein Mittel zum Zweck. Auch damals schon, als ich in China war. Relativ lange Zeit in China.
Peter Heinrich: Was hast du da gemacht?
Martin Goersch: Ich wollte eigentlich rüber zum Kung-Fu trainieren und habe das auch eine Zeit lang gemacht. Aber dann in Privatstunden da und die haben halt festgestellt, dass sie Europäer ganz gut bepreisen können. Das war also sehr teuer. Damals so als Student war das für mich nicht so gut machbar. Das habe ich dann relativ schnell drangegeben. Aber weil ich halt schon mal da war und auch schon meine Miete in Peking für ein Jahr bezahlt hatte, bin ich halt da geblieben und habe dann angefangen die Sprache zu studieren und habe Chinesisch studiert.
Peter Heinrich: Du sprichst perfekt Chinesisch?
Martin Goersch: Nein. Ich spreche nicht perfekt Chinesisch.
Peter Heinrich: Aber zum Schnitzel bestellen reicht es?
Martin Goersch: Ja, also die Nummer 43 in Landessprache, die kann ich glaube ich noch bestellen. Aber es ist über 20 Jahre her.
Peter Heinrich: Und warum bist du dann ausgestiegen? Ausgestiegen? Was ist dir gesundheitlich passiert?
Martin Goersch: Ausgestiegen aus dem Kampfsport. Ich habe tatsächlich einen Tumor gehabt in der Wirbelsäule und der ist relativ aufwendig operiert worden.
Peter Heinrich: Aber jetzt ist alles gut?
Martin Goersch: Ja, es ist alles gut. Also ich merke das natürlich immer noch. Deswegen ist Sport bei mir auch tatsächlich wichtig, weil ich sitze sehr viel und arbeite ja am Schreibtisch überwiegend. Da ist es für mich schon wichtig, dass so die ganze Core-Muskulatur fit ist und den Rücken ein bisschen stützt.
Peter Heinrich: Wenn man das jetzt umdenkt, dieser Rückschlag aus dieser Zeit, wie hilft das noch beim Trading?
Martin Goersch: Eigentlich hilft das immer, weil das verändert wirklich den Fokus. Also wenn man einmal so krank war, dass man eigentlich nicht weiß, ob man nach der Operation überhaupt noch laufen kann oder ob man vielleicht querschnittsgelähmt im Rollstuhl sitzt und das war ein reelles Risiko, gar nicht zu einem kleinen Prozentsatz, dann verliert der Faktor Geld irgendwie an Attraktivität. Und dann geht der Faktor Gesundheit und Glück und Familie geht dann auf einmal viel, viel höher. Und das ist ein Learning, was man da mitnimmt und das ist insbesondere für den Finanzmarkt auch wichtig, weil man eigentlich überhaupt nicht mehr dabei ist, irgendwelche Kamikaze-Trades aufzubauen, um schnell viel zu verdienen.
Peter Heinrich: Also du bist gechillter, ruhiger?
Martin Goersch: Viel, viel. Und am Ende sieht man auch, dass irgendwo an jedem Negativen was Positives dran ist. Ja, weil wenn das nicht passiert wäre, dann weiß ich gar nicht, ob ich jetzt heute hier sitzen würde oder ob ich nicht vielleicht in Berlin eine Kampfsportschule leiten würde.
Peter Heinrich: Man sagt ja, ich weiß nicht, wie hoch die Prozentzahl wirklich ist. So die Anfänger, Daytrader, die finden meistens Geld 60 bis 70 Prozent am Anfang bestimmt.
Martin Goersch: Mehr. Mehr?
Peter Heinrich: Mehr?
Martin Goersch: Mehr. Also man kann ja mal auf die Zahlen schauen, die die Broker regelmäßig veröffentlichen müssen. Das sind ja genau die Prozentsätze, welcher Anteil an Anlegern nicht profitabel ist. Und die liegen im Schnitt bei deutlich über 70 Prozent.
Peter Heinrich: Warum ist das so?
Martin Goersch: Weil die Regelwerke schlicht und ergreifend nicht da sind. Weil ganz viel geraten wird, viel gezockt wird und weil man im Prinzip keinen Plan hat. Und ich glaube, es ist unheimlich wichtig, einen Plan zu haben. Das große Problem am Trading ist, dass die Einstiegshürde quasi nicht vorhanden ist. Die einzige Einstiegshürde ist, dass man seinen Ausweis irgendwo einscannen kann und vielleicht 2.000 Euro überweisen auf ein Brokerkonto.
Peter Heinrich: Also fehlt eigentlich so eine Art Führerschein?
Martin Goersch: Ja.
Peter Heinrich: Ich darf hier nicht Auto fahren, wenn ich keinen Führerschein habe?
Martin Goersch: So sieht es aus.
Peter Heinrich: Okay. Das wäre deine Forderung für Trader. Ein gewisses Mindestmaß an Ausbildung?
Martin Goersch: Na, das ist ja schon das, was wir jetzt versuchen umzusetzen. Also ich habe ja gerade ein Buch geschrieben, der Optionführerschein. Und da sind wir ja dann quasi genau bei dem Thema. Das wäre ein schönes Wortspiel natürlich. Ein bisschen um Grundausbildung. Ich finde das enorm wichtig. Denn am Ende ist es so egal, welchen Job man ausführen will. Das geht nicht ohne entsprechende Ausbildung. Das geht nicht ohne entsprechende Lizenz. Nur traden kann irgendwie jeder. Und das funktioniert halt nicht. Und das ist das Hauptproblem, dass viele einfach nicht wissen, was sie da tun. Und dann übernehmen die Gefühle, dann übernimmt die Angst. Am Ende ist es irgendwie immer die Angst. Das ist entweder die Angst, etwas zu verpassen. Oder die Angst, nicht genug zu verdienen. Oder die Angst, falsch zu liegen. Am Ende hat man immer irgendeine Angst.
Peter Heinrich: Ja, aber wie schalte ich die Angst aus? Mehr Ausbildung?
Martin Goersch: Im ersten Atemzug mehr Ausbildung, mehr Wissen, um überhaupt erstmal einen Plan zu haben. Aber das, was am Ende noch viel wichtiger ist, ist tatsächlich die Disziplin. Und das ist, glaube ich, auch ein Punkt, wo Kampfsport durchaus weiterhelfen kann. Weil wenn man da ein bestimmtes Level erreicht hat, dann hat man da auch ein bestimmtes Maß an Disziplin mitgegeben gekriegt. Und das ist natürlich schon wichtig. Was hilft mir das beste Regelwerk, wenn ich nicht die Disziplin habe, sie durchzuhalten?
Peter Heinrich: Der Optionsführerschein. Fangen wir mal ein bisschen an. Drei Basics. Optionsführerschein, das klingt ja so wie Raketenwissenschaft. Also was sind die drei Basics, die jeder können muss, bevor er Optionen handelt?
Martin Goersch: Das ist ganz spannend. Weil für mich ist einer der ganz wichtigen Punkte der Bereich der Griechen, zu verstehen, wie wirkt sich ein Zeitwert aus? Wie verändert sich ein Zeitwert? Was sagt das Theta? Zu wissen, was für einen Einfluss hat die Volatilität auf die Optionspreisbildung? Hat das Vega? Das sind so Dinge, die sind für mich wirklich grundsätzlich wichtig. Aber ich habe gerade gestern mit jemandem gesprochen, der sehr viel Erfahrung hat im Optionsbereich, der tatsächlich damals die deutsche Terminbörse auch mit aufgebaut hat. Und er hat sehr viel Schulungen gegeben. Und ich hatte mich mit ihm unterhalten über mein Optionsseminar. Ich gebe ein Seminar, ein Zwei-Tage-Seminar für Einsteiger im Optionsbereich, um denen eine Einführung in diesen Bereich zu bieten. Das ist darüber entstanden, dass ich sehr viele Kunden habe aus dem Aktienbereich, die dann zu meinen Seminaren kommen, sich von mir ausbilden lassen. Da waren am Ende einige bei, die gesagt haben, ich würde gerne auch mal was im Optionsbereich machen, aber ich verstehe die Produkte nicht. Ich habe es mir mal angeschaut, ich verstehe die Produkte nicht. Jetzt möchte ich aber nicht zu irgendjemand anders gehen. Kannst du nicht was machen in dem Bereich? Und so ist es tatsächlich entstanden, dass ich zum ersten Mal vor drei Jahren ein Optionsseminar gegeben habe. Das war eigentlich nicht mein Ziel, weil das ist nicht mein Hauptbetätigungsbereich. Der liegt eher im Bereich Aktien und auch im Bereich Futures. Dann habe ich gestern mit Stefan darüber gesprochen. Er hat gefragt, was sind da so deine Inhalte? Und ich sage, ja, Griechen. Er sagt, echt, das machst du im Einstiegsseminar? Erklärst du die Griechen? Ich habe immer das Gefühl, die Leute steigen dann aus. Er hat es bei sich am Anfang rausgenommen. Aber für mich ist es wirklich ein wichtiges Kernelement.
Peter Heinrich: Das habe ich heute auch schon ein bisschen anders gehört. Man muss wissen, was die Griechen sind. Aber die eine oder andere Software hilft dir ja auch dabei bei Entscheidungen.
Martin Goersch: Ja, da geht es nachher um die Preisberechnung. Man will halt wissen, wo geht es hin. Dann nimmt man sich einen Optionsrechner und dann kann man sich natürlich ausrechnen lassen, wo die Preise hingehen. Aber ich finde es deswegen in der Art wichtig, dass man in bestimmten Marktsituationen entscheiden muss, mit welcher Handelsstrategie geht man da ran. Und da geht es ja schon damit los, wann bin ich auf der Käuferseite, wann bin ich auf der Verkäuferseite. Wann baue ich Credit-Strategien auf, wann baue ich Debit-Strategien auf. Und wenn ich da die grundlegenden Dinge nicht verstanden habe und fange auf einmal an, Optionen zu kaufen nach einem starken Volatilitätsanstieg, dann kann ich vielleicht in der Richtung richtig liegen und verliere am Ende trotzdem Geld, weil einfach die Volatilität so extrem zurückgegangen ist.
Peter Heinrich: Machen wir es mal plakativ. Führerschein, da kommt plötzlich die rote Ampel. Was sind im Optionshandel, wieder Führerschein, das Stopp-Schild, bei dem du sagst Stopp, so nicht. Sind es eher Positionsgrößen, Laufzeitwandel, fehlende Exemplaren?
Martin Goersch: Positionsgröße ist immer ein ganz entscheidendes Kriterium, aber das ist nicht auf den Optionsbereich beschränkt, das ist tatsächlich überall so. Ich habe in meinen Seminaren ganz gerne so ein Murmelspiel. Da wird dann jeder Murmel ein entsprechender Wert zugeordnet. Einfach, zweifach, dreifach, minus einfach, minus zweifach vom eingegangenen Risiko. Jeder Teilnehmer bekommt einen Zettel, hat 100.000 Euro Startkapital und muss jedes Mal, bevor aus diesem Sack mit Murmeln gezogen wird, muss er festlegen, wieviel er riskiert. Nehmen wir an, es riskiert jemand 10.000 Euro und dann wird die Murmel gezogen plus 2, dann hat er 20.000 Euro verdient auf diesen Trade. Ein anderer hat vielleicht 50.000 riskiert, der hat dann 100.000 verdient. So ziehen im Prinzip alle Teilnehmer nacheinander und das Ergebnis zählt für jeden im Raum. Danach muss er festlegen, wie viel er auf den nächsten Trade riskiert. Das bedeutet, jeder der in diesem Raum sitzt, arbeitet mit derselben Strategie, mit derselben Trefferquote, mit den selben Trades, mit den selben Einstiegen und den selben Ausstiegen. Das einzige was anders ist, ist die Positionsgröße. Der eine ist ganz vorsichtig und riskiert nur 1.000, der andere ist ein Kamikaze-Trader und riskiert 90.000 auf dem ersten Trade. Die Ergebnisse, die wir nach ein paar Mal ziehen haben, sind völlig unterschiedlich. Es geht von Konto weg bis Konto verdreifacht. Das zeigt ganz klar, dass es am Ende nicht die Strategie ist, die alleine entscheidend ist, sondern die Positionsgröße ist tatsächlich das Kernelement. Nur um die Positionsgröße richtig berechnen zu können, muss man natürlich seinen Handelsansatz kennen. Man muss wissen, was ist meine Trefferquote, was ist mein durchschnittlicher Gewinn, was ist mein durchschnittlicher Verlust. Dann kann ich errechnen, wie viel Prozent von meinem Konto darf ich maximal riskieren und das machen wir immer abhängig vom sogenannten Risk of Ruin. Was ist die Wahrscheinlichkeit für eine wie lange Verlustphase?
Peter Heinrich: Nachdem wir das Thema Iran hatten, Hedge, der wirkt, woran erkennt man einen Hedge, der im Stressfall wirklich funktioniert und nicht nur beruhigt?
Martin Goersch: Das ist ganz witzig. Das hatte ich heute hier als Thema im Vortrag Hedging. Ich hatte den Vortrag über Makroökonomie und habe dann eben festgestellt, Makroökonomie sieht im Moment so aus, dass man sich vielleicht mal mit Hedging beschäftigen sollte und da sind wir dann von der Volatilität über das Hedging gekommen und es gibt ja mehrere Möglichkeiten zu Hedgen. Am Ende muss man wissen, was erwartet man. Das macht für den Hedge einen riesen Unterschied, ob man vielleicht eine 10% Korrektur erwartet oder ob man einen großen Crash befürchtet. Wenn wir jetzt über Optionen sprechen, da geht es dann am Ende schon darum, mich zu entscheiden. Möchte ich einen Protective Put nehmen oder arbeite ich vielleicht mit einem Put Spread oder arbeite ich mit einem Caller. Da haben wir ganz verschiedene Nuancen. Wir können uns entweder noch eine Chance lassen, auf der Oberseite gut mitzuverdienen. Wir können nur einen bestimmten Bereich an Risiko absichern oder wir können unser komplettes Risiko absichern und müssen dann entscheiden, was sind wir bereit dafür an Versicherungsprämie zu bezahlen. Wenn man bereit ist, viel Versicherungsprämie zu bezahlen, dann sind das Phasen sehr hoher Unsicherheit und da möchte man normalerweise einfach nur Protective Put haben. Man kann man auf der Oberseite noch mitverdienen, falls es doch weiterläuft, aber wenn es fällt, ist es egal, wie weit es fällt. Man ist zu seinem Strike Preis definitiv raus. Damit geht eigentlich Hedging los. Erstmal die Marktsituation einzuordnen und zu überlegen, wie möchte ich abgesichert sein. Ich habe es absichtlich auch jetzt gebracht, weil der S&P 500 ist noch in einer Seitwärtsrange. Wenn man sich also auf Indexbasis absichert, dann ist das noch okay. Am Freitag ist die Volatilität schon wieder angestiegen. VIX steht bei 20. Das brauchen wir natürlich, um abschätzen zu können, sind meine Versicherungen gerade teuer oder günstig. Wenn man aber mal so ein bisschen auf die Indikatoren schaut, dann sieht man, dass die meisten Marktteilnehmer tatsächlich genau falsch reagieren. Die fangen nämlich an dann zu hedgen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Wenn es gekracht hat am Markt, die Prämien wahnsinnig teuer sind und dann wird gehedgt. Deswegen schauen wir ja auch immer auf sogenannte Put Call Ratio, um zu gucken, wo ist denn vielleicht ein Tief drin. Typischerweise sind die Tiefs drin, wenn alle Anleger in die Puts strömen. Deswegen ist die richtige Zeit zum Hedgen auch die, wo es eigentlich gar keiner haben will. Wo der Markt nämlich ruhig läuft, die Wohler niedrig ist und man sich ganz günstig absichern kann.
Peter Heinrich: Wie eine echte Versicherung. Ich schließe ja auch die Versicherung ab und weiß nicht, dass ich morgen einen Autounfall habe.
Martin Goersch: So sieht es aus.
Peter Heinrich: Um wieder beim Führerschein zu bleiben. Zum Abschluss, du hast demnächst Geburtstag?
Martin Goersch: Morgen.
Peter Heinrich: Morgen, ja wunderbar. Gratulation schon mal. Wenn die Börse dir einen Wunsch erfüllt, was wäre 2026 der Best Case?
Martin Goersch: Der Best Case für die Börse, for you, for me, 7700 Punkte im S&P 500. Dann wäre schon wieder mein Jahresausblick auf den Punkt genau richtig gewesen.
Peter Heinrich: Ja dann, schauen wir mal, man weiß ja nie, in drei Wochen. Chancen haben wir noch.
Martin Goeörsch: Ja, Martin, ich danke dir.
Peter Heinrich: Danke dir.
Martin Goersch: Danke.
