Jens Rabe über Mentoring und Trading-Routinen für langfristigen Erfolg

Jens Rabe über Mentoring und Trading-Routinen für langfristigen Erfolg

Captrader tradingcoach jens rabe
Jens Rabe
Rabe Academy

Jens Rabe: Mein Name ist Jens Rabe, ich bin Jahrgang 71, also werde dieses Jahr schon 55 Jahre alt. Und deswegen bin ich auch schon sehr lange an der Börse, nämlich seit 30 Jahren, genau aufs Jahr genau 30 Jahre. Und ja, ich bin verheiratet, habe drei wundervolle Kinder, bin seit über 20 Jahren jetzt Unternehmer und bin eben schon sehr, sehr lange von diesem Börsenvirus gefangen einfach. Seit 20 Jahren gebe ich mein Wissen auch an unsere Kunden in der Jens-Rabe-Academy weiter.

Peter Heinrich: Dann sind wir fast gleich alt, bin zwei Jahre älter. Die Stimme zum Zuordnen, mein Name ist Peter Heinrich vom Börsenradio. Wir sind dem Call gefolgt, dem Call nach Düsseldorf zu den Deutschen Optionstagen. Wir machen jetzt das Interview in unserem mobilen Podcast-Studium vor der Messe in Düsseldorf.

Jens Rabe: Seit 30 Jahren an der Börse. Und das alles dank der Bundeswehr, weil ich war 1996 bei der Bundeswehr und zu diesem Zeitpunkt gab es ja noch Wehrpflicht, ich bin zur Bundeswehr gegangen. Und weil wir nichts zu tun hatten, habe ich angefangen, Bücher zu lesen, unter anderem von André Kostolany. Ich habe dann irgendwo gelesen, André Kostolany hat geschrieben, er sitzt im Café, liest Zeitungen und verdient Geld. Und da habe ich gedacht, so als Mitte-20-Jähriger, das mache ich jetzt auch, das finde ich gut. Das ist eine gute Lebensplanung. Das will ich auch.

Peter Heinrich: Du hast das anscheinend auch schon geschafft, oder? Mit der finanziellen Freiheit.

Jens Rabe: Würde ich sagen, ja.

Peter Heinrich: Cybertruck in Dubai, Radeln mit der Frau, Büro im Hochhaus, klingt nach finanziellen Freiheit zum Anfassen. Ab wann war der Moment, wo du gesagt hast, es klappt?

Jens Rabe: Im Jahr 2009. Im Jahr 2009, direkt nach der Finanzkrise, wusste ich, dass es klappt. Weil, wie gesagt, 96 angefangen, wir haben das gleiche Alter, Dotcom Blase, da kann sich jeder noch daran erinnern, der in unserem Alter ist. Und das ging bis 2000 sehr, sehr gut. Dann habe ich bis 2003 alles wieder verloren, weil ich halt doch keine Ahnung hatte. Und danach habe ich einen Mentor gehabt, der mir viel beigebracht hat. Aber ich hatte natürlich immer noch diese Unsicherheit, wenn mal wieder sowas passiert, wie die Dotcom-Blase, wenn die platzt, wenn mal wieder sowas passiert, vielleicht verliere ich trotzdem wieder mein ganzes Geld. Und dann ist eben 2008 kam die internationale Finanzkrise.

Peter Heinrich: Da hast du gesagt, hurra, nachkaufen, jetzt, oder?

Jens Rabe: Nein, ich war dann…

Peter Heinrich: Na, die war zäh, ne?

Jens Rabe: Ja, die war zäh.

Peter Heinrich: Anders als nach Corona die Delle, ne?

Jens Rabe:  Ja, die war auch…Man hat das dann auch ganz anders irgendwie wahrgenommen. Also Lehman Brothers ist pleite gegangen, das Finanzsystem am Abgrund. Und ich habe trotzdem sowohl 2008 als auch dann ganz speziell 2009, da habe ich schon viele Optionen gemacht, riesige Vola und da habe ich super viel Geld verdient. Und für damalige Verhältnisse super viel Geld. Und da wusste ich, wenn du so eine Krise völlig unbeschadet überstehst und dann sogar noch Geld verdienst und das nicht durch einen Glückstreffer, sondern weil du systematisch was gemacht hast, jetzt wird es.

Peter Heinrich: Okay, du sprachst von einem Mentor. Wer war denn dein Mentor?

Jens Rabe: Also ich habe natürlich viele, viele bekannte Trader auch kennengelernt. Also ich habe viel von Larry Williams gelernt. Ich habe auch in Deutschland einige kennengelernt. Aber mein persönlicher Mentor, Henning, war ein Marketmaker an der Eurex. Den habe ich privat kennengelernt auf einer Messe damals, auch auf einer Börsenmesse. Und ich war so ein bisschen angefixt von dem Thema Optionen, habe es aber nicht verstanden, weil es so kompliziert war mit diesen ganzen Formeln und Black & Scholes und all das, was es so gab. Und der hat dann mal gesagt, jetzt Bub setz dich mal hierher, jetzt zeige ich dir mal, wie das geht. Und der hat mir, ich glaube, innerhalb von einer Stunde und zwei Bier mehr beigebracht, als ich zwei Jahre vorher durch Selbststudium verstanden habe. Der hat im Grunde mein ganzes Börsenleben dann bestimmt danach.

Peter Heinrich: Das glaube ich sofort und es ist unheimlich wichtig mit Mentoren. Mir geht es ja manchmal genauso, wenn ich unterwegs bin. Man hat viel Wissen, viele haben viel Wissen durch irgendein Studium. Und wenn dann genau da, wo du sitzt, jetzt der Chef der Deutschen Bank sitzt oder der Commerzbank, man diskutiert, der sagt einem die Theorie, innerhalb von zehn Minuten versteht man die Welt ganz anders.

Jens Rabe: Ja, oder wir haben jetzt auch hier, weil er auch gerade hier ist. Ich durfte vor einigen Jahren einmal mit Holger Scholze und Heiko Thieme in Stuttgart zusammen einen Abend verbringen. Wir saßen zusammen im Restaurant und Holger hat gesagt, jetzt komm mal drüber, setz dich mit zu uns.

Peter Heinrich: Das hat mir der Holger gestern beim Abendessen erzählt. Komm rüber, du hast dich getraut mit dem Heiko.

Jens Rabe: Genau, da war ich so, oh Gott, diese Legende Heiko Thieme. Und dann haben wir wirklich einen wundervollen Abend gehabt. Ich habe nur meine Ohren aufgespannt und habe zugehört. Und da lernt man natürlich an so einem Abend viel, viel mehr, als man in einem Jahr selber irgendwo lernen könnte. Einfach von Menschen, die halt tagtäglich das gemacht haben, viele Jahrzehnte schon, viele gekannt haben. Also großartig.

Peter Heinrich: Werbepause muss natürlich auch sein. Mentoring, das ist ja auch wichtig. Man braucht einen Mentor. Du hast ja verschiedene Masterclass und Klassen. Ist das der Schlüssel zum Erfolg? Hol dir einen Mentor?

Jens Rabe: Absolut, in jedem Bereich. Also ich würde heutzutage alles wieder mit Mentoren auch für mich selbst machen. Und zwar nicht nur im Börsenbereich, sondern auch in jedem anderen Bereich. Also wenn ich heute sagen würde, ich möchte Gitarre spielen lernen, dann würde ich nie versuchen, das selber zu machen. Sondern ich würde mir einen Gitarrenlehrer nehmen und sagen, hey, ich gebe dir was, aber bring mir das bei. Weil man einfach so eine unglaubliche Zeitersparnis hat und man weiß ja selber gar nicht, was man falsch macht.

Peter Heinrich: Oder schwimmen. Niemand lernt schwimmen alleine, jeder braucht einen Schwimmlehrer.

Jens Rabe: Du bekommst auch keinen Führerschein, wenn du sagst, ich habe mir das selber jetzt beigebracht über YouTube. Sondern du sagst, nee, du musst zum Vorlehrer gehen.

Peter Heinrich: Auch ein schönes Beispiel. Du sagst ja, Trading ist ein Business.

Jens Rabe: Absolut.

Peter Heinrich: Was sind denn die drei Pflichtroutinen, ohne dass man jetzt keinen Trade macht? Also was gehört zum Business?

Jens Rabe: Zu einem Business gehört eine vernünftige Buchhaltung. 99 Prozent aller privaten Händler haben kein Trading-Tagebuch. Das wäre wie, wenn eine Firma keine Buchhaltung hätte.

Peter Heinrich: Also Trading-Tagebuch heißt quasi, ich schreibe auf, warum habe ich die Aktie gekauft, was will ich damit erreichen, wann gehe ich raus, was ist das Ziel?

Peter Heinrich: Das auch. Aber natürlich auch diese statistischen Dinge, dass man einfach mal auswerten kann, hat denn das, was ich tue, überhaupt Erfolg? Was mache ich denn da? Erhalte ich mich ein bestimmtes Regelwerk? Also dass man einfach auch eine statistische Grundlage hat, ob das, was man tut, wirklich relevant ist oder ob vielleicht drei, vier Trades im Jahr den Gewinn bringen und alles andere bringt nichts. Also das würde ich sagen als allererstes. Dann das zweite, dass man einen Businessplan hat, dass man sagt, okay, was will ich denn überhaupt an der Börse machen? Das wäre wie, wenn eine Bäckerei früh aufschließt und sagt, guck mal, auf was haben wir denn heute Lust? Machen wir heute Kirschkuchen oder machen wir heute Trockenbrot? Sondern die wissen ja, ich mache heute das, ich mache morgen das, ich mache morgen das. Warum? Weil es funktioniert, weil wir es verkaufen können. Und an der Börse, glaube ich, brauchst du auch so einen Businessplan für dich, dass du dir einfach mal aufschreibst, wie sieht denn meine Strategie überhaupt aus? Aber da müssten halt viele dann auch hinschreiben, ja, ich gucke einfach, dass mir irgendjemand einen Tipp gibt. Aber das ist ja kein Plan. Und deswegen, glaube ich, brauchst du einfach noch den Businessplan. Und das dritte, ich bin ja auch selber Unternehmer, deswegen weiß ich, man muss ein Unternehmen auch immer weiterentwickeln. Das heißt, man muss sich informieren, was gibt es Neues am Markt? Kommt da alles mit dazu? Und das muss man auch an der Börse machen.

Peter Heinrich: Thema Unternehmertum, du bist einer der wenigen, du hast ja gerade deine Assistentin mitgebracht, die eine Assistent haben, eine PA. Das finde ich gut. Du hast einen Vertriebler, den habe ich kennengelernt. Das finde ich gut. Du hast also eine richtige Struktur, Unternehmerstruktur eigentlich, muss man sagen.

Jens Rabe: Ja, ja. Also wir haben in Deutschland fast 40 festangestellte Mitarbeiter. Wir haben eine Holdingstruktur, wir haben unsere Firmen unterschiedlich aufgebaut, also für die unterschiedlichen Bereiche. Und ja, also wir haben ja auch vieles, was wir machen, was die Öffentlichkeit gar nicht so sieht.

Peter Heinrich: Mal zurück, also Trading ist ein Business. Warum bleiben so viele, trotz eigentlich guter Tools, Software, Zugang zu Brokern, Zuschauer? Was ist der Hauptkiller? Falsche Erwartungen, Angst vor Verlusten oder schlichtweg fehlende Diszipline?

Jens Rabe: Ich habe den ersten Punkt, den du genannt hast, die falsche Erwartungshaltung. Weil alles andere kann man eigentlich auf diese falsche Erwartungshaltung zurückführen. Also jemand arbeitet mit zu großem Hebel. Warum? Weil er eben diese falsche Erwartungshaltung hat, er wird in zwei Jahren reich. Jemand hat keine Disziplin, weil er eben aufgrund der falschen Erwartungshaltung ein System handelt, was er gar nicht durchhalten kann und so weiter. Und deswegen würde ich, meine persönliche Meinung ist, dass die meisten Neueinsteiger eine falsche Erwartungshaltung haben. Dass sie eben erwarten, dass es in ein, zwei Jahren muss das alles schon durch die Decke gehen und geben sich selber nicht genügend Zeit, um das Ganze zu entwickeln.

Peter Heinrich: Okay, Einsteigerfrage sozusagen. Der Ansteiger startet. Wunschaktie wählen, Put verkaufen, auf den Preis, wo ich sofort kaufen würde. Wann ist das wirklich sinnvoll und wann ist es ein typischer Anfängerfehler?

Jens Rabe: Es ist ein Anfängerfehler, wenn du dir sagst, ich verkaufe jetzt einen Put und würde ihm mir dann die Aktie andienen lassen. Wenn die Aktie dann aber fällt, dass du dann kalte Füße bekommst und sagst, eigentlich will ich sie gar nicht haben, mir ging es eigentlich nur um die Prämie. Das heißt, viele machen das, was du angesprochen hast, ein klassischer Cash-Secured-Put, aber eigentlich wollen sie gar keinen Cash-Secured-Put, sie wollen die Aktie gar nicht haben, sondern eigentlich schielen sie nur auf die Prämie, die kommt. Das heißt, sie sind sich am Anfang gar nicht so richtig darüber klar, was wollen sie denn überhaupt, wenn man das jetzt mal weg von Optionen auf Aktien nehmen würde. Dass sie sagen, ich möchte ganz, ganz langfristig investieren. Das ist ein ganz langfristiges Investment, was ich tätige. Aber wenn es ein Prozent oder zwei Prozent ins Minus läuft, dann um Gottes Willen, ich muss raus aus dem Ding.

Peter Heinrich: Nochmal so ein bisschen die Erfahrung, wenn du Mentor bist. Wenn du jetzt eine Regel zum Risiko durchgeben müsstest, welche wäre das? Also Stichwort Positionsgröße, Margin, Absturz über Nacht?

Jens Rabe: Eine Regel wäre, halte deine Positionen kleiner, als du denkst, dass es notwendig ist. Ich glaube, viele würden viel länger an der Börse überleben, viele würden viel mehr Gewinne an der Börse machen, weil sie den Lerneffekt hätten, wenn sie kleinere Positionen gerade zu Beginn handeln würden. Ich glaube, die meisten Händler machen den Fehler, dass sie viel zu große Positionen handeln, weil sie irgendwo in einem Lehrbuch gelesen haben, du musst so und so viel, 0,5, 1 Prozent Risiko eingehen, was auch immer. Und das Prozentuale ist das eine, das mag theoretisch richtig sein, aber dein Kopf muss halt mitkommen. Und wenn du eben sagst, ich habe ein großes Konto, ich habe 100.000 Euro Depot, was ja für die meisten Privatanleger schon ein großes Konto ist. Und jetzt sagen sie, okay, in meinem Lehrbuch steht, ich darf 1.000 Dollar verlieren pro Trade, also 1 Prozent. Aber sie halten die 1.000 Dollar im Kopf nicht aus, weil sie einfach sagen, 1.000 Dollar oder 1.000 Euro, weißt du, wie viel Geld das ist? Dann würde ich eben sagen, dann mach doch einen Trade, wo du nur 100 Euro verlieren kannst.

Peter Heinrich: Ja, oder 0,5 Prozent.

Jens Rabe: Ja, genau, also mach es halt ganz, ganz klein, damit du einfach, dass dir der Verlust, wenn er denn kommt, und er wird ja kommen am Anfang und auch später, das ist ja ganz normal, dass dir der Verlust emotional nicht wehtut. Das heißt, die meisten, glaube ich, würden sehr, sehr gut fahren, wenn sie ihre Positionsgrößen einfach reduzieren würden.

Peter Heinrich: Also, nach 20 Jahren Optionen. Welche drei Fehler siehst du immer wieder, die richtig Geld kosten? Und was sind die Gegenmaßnahmen?

Jens Rabe: Erster Fehler, zu große Positionen, kann man relativ simpel machen. Das, wenn man eben sagt, okay, mein Konto ist zu klein für einen Short-Put, dann mach halt Bull-Put-Spreads als Beispiel oder such dir kleinere Aktien. Zweiter Fehler, dass man zu viele Positionen gleichzeitig hat, weil man sagt, ich bin ja dann diversifiziert, aber in der Regel bewegt sich ja alles gerade am Aktienmarkt gleich.

Peter Heinrich: Was sind zu viel?

Jens Rabe: Also, als Heiko Thieme würde ich sagen, wir haben uns vorhin schon über Heiko Thieme unterhalten, hat maximal so viele Positionen, wie es Buchstaben im Alphabet gibt. Wenn du scharfe S und Ö noch dazu tust, so um die 30. Bei Aktien würde ich sagen, wenn du das managen kannst, ja. Bei Optionen würde ich sagen, hat nie mehr als vier oder fünf Optionspositionen gleichzeitig. Für den Privatanleger. Und der dritte Punkt wäre, dass viele, ich mache ja sehr, sehr viel Optionsverkauf, also wir verkaufen sehr viele Optionen, dass viele nicht auf den übergeordneten Trend der Märkte achten, sondern sagen, ich verkaufe halt eine Option, weil die Aktie gut ausschaut, aber sie schauen nicht, wie sieht der Sektor aus, wie sieht der übergeordnete Markt aus, wie ist das Marktumfeld.

Peter Heinrich: Also es wäre jetzt quasi so, ich liebe Nvidia, machen wir ein Beispiel, habe aber übersehen, dass trotz genialen Zahlen Microsoft mit 12% abgestraft wurde vor drei Wochen.

Jens Rabe: Genau, oder dass der ganze Tech-Sektor momentan wahnsinnig unter Druck steht und deswegen verkaufe ich weiterhin Puts auf Tech-Aktien, wobei ich doch eigentlich das Risiko sehen müsste, dass diese Welle von den Software-Aktien auf andere Tech-Aktien überschwappen könnte.

Peter Heinrich: Was mich so ein bisschen interessiert, Menschentypen, Mentoring, typische Fehler haben ja auch mit Charakteren zu tun. Also welche Schülertypen gibt es denn bei dir in zwei oder drei Kategorien? Also wer scheitert fast immer und wer die besten Chancen?

Jens Rabe: Die besten Chancen haben Menschen, die in anderen Bereichen sehr strukturiert und diszipliniert sind. Also das heißt Sportler, Soldaten, Polizisten, weil die es gewohnt sind, sich an Regeln zu halten. Ich war mal zwei Jahre in Amerika, in Chicago und an der Börse, die erfolgreichsten waren ehemalige Navy Seals. Ja, weil die waren halt gewohnt, das zu machen, was man ihnen sagt. Das meine ich jetzt gar nicht negativ, sondern die haben sich einfach an ihre eigenen Regeln gehalten. Solche Menschen sind gut. Ein bisschen schwer tun sich Unternehmer, und zwar, weil Unternehmer, ich bin ja selber einer, deswegen weiß ich das, als Unternehmer bist du ja, wenn es nicht läuft, drehst du den Turbo an und sagst, dann muss ich halt mehr machen. Und im Unternehmertum ist das auch genau das Richtige.

Peter Heinrich: Selbst und ständig.

Jens Rabe: Also du machst halt dann mehr. An der Börse ist manchmal genau das Gegenteil das Richtige, dass du sagst, nee, wenn es nicht läuft, dann mach lieber ein bisschen weniger, als dass du mehr machst. Das ist natürlich ein Konflikt mit dem, dass was du in deinem Unternehmen machst und was du dann bei deiner Geldanlage machst. Und sehr gut muss ich sagen sind Frauen, weil Frauen sind deswegen so gut an der Börse. Sie sind genauso risikobereit wie Männer, aber Frauen haben nicht ganz so dieses Ego-Ding. Wir Männer neigen halt dann doch dazu, diesen Revenge-Trade, und wenn ich jetzt diesen Trade verliere, dann bin ich ein schlechter Mann und so. Das ist alles totaler Quatsch. Wir sind nun mal Männer so, wir sind eben noch geistig auf dem Höhlenjäger-Niveau.

Peter Heinrich: Aber Thema Frauen, wir haben uns vorhin mal so hingestellt, beim Stehtisch, uns ist aufgefallen, keine echte Statistik. Hier bei den deutschen Optionstagen habe ich das Gefühl, da sind mehr Frauen unterwegs als auf den ganz normalen Börsentagen.

Jens Rabe: Absolut. Wir zum Beispiel bei uns in der Academy, wir haben eine riesige Frauengruppe. Wir haben einen Frauenanteil von weit über 20%, vielleicht sogar 25% mittlerweile. Ich würde schätzen, dass der Frauenanteil an Börsianern insgesamt keine 5% sonst ist. Ich glaube, Frauen können dieses Thema Optionen sehr gut abdecken, weil sie sehr analytisch sind und weil sie eben, wie gesagt, sind nicht so sehr auf Rache aus. Sie sagen okay der Trade funktioniert so viel und wenn er nicht funktioniert mache ich ihn einfach zu gehe zum Nächsten über. Deswegen kommt das Frauen das klare Regelwerk, das man bei Optionen haben muss, sehr zugute.

Peter Heinrich: Ich könnte mich stundenlang mit dir unterhalten. Vielleicht können wir mal ein Folgeinterview einfädeln. Gehen wir noch mal auf Börsenidole. Du warst öfters mal beim Orakel von Omaha. Fehlt an der Börse eine Leitfigur, nachdem Warren Buffett anscheinend in Rente gegangen ist? Auch da hat er wieder überrascht. Fehlt Warren Buffett an der Börse?

Jens Rabe:  Ja, ich bin da ein bisschen emotional. Ich bin natürlich mit Warren Buffett aufgewachsen. Ich war keine Ahnung, wie oft ich in Omaha war. Er ist mal drei Meter an mir vorbeigefahren. Ich war ihm fast ganz nah. Ich habe wahnsinnig viel von Warren Buffett gelernt, und zwar überhaupt nicht so sehr anlagestrategisch. Ich verfolge einen vollkommen anderen Ansatz als er. Ich finde ihn sehr inspirierend. Besonders sein Partner Charlie Munger. Ich habe auch jemanden wie André Kostolany sehr verehrt. Den habe ich auch mal getroffen. Ja, Warren fehlt, aber ich glaube, da wird es auch immer wieder andere geben, zu denen man aufblicken kann. Ich finde auch viele Unternehmer super inspirierend.

Peter Heinrich: Schließen wir das Interview ab. Ein Cybertruck in Dubai ist eine Sache.

Jens Rabe:
Was unter uns gesagt ein sehr dummes Auto ist. Ich habe es nur gekauft weil es so witzig ist. Es ist viel zu groß, viel zu schwer. Aber es macht halt Spaß.

Peter Heinrich: Wie sieht denn dein Depot aus, wenn es draußen Sand stürmt?

Jens Rabe: Genauso wie wenn es draußen gut ausschaut. Je älter ich werde, umso mehr achte ich auf das Risiko, weil auch die Konten eine gewisse Größe erreicht haben, wo ich sage, da muss ich jetzt nicht den letzten Cent herausquetschen. Da war ich wahrscheinlich mit Mitte 20 ganz anders. Ich achte sehr auf das Makroumfeld. Ich achte sehr stark an, was passiert in der Welt. Ich bin eine Sache, die ich unter anderem auch von Heiko Thieme übernommen habe, die ich von André Kostolany übernommen habe, von Warren Buffett. Ich bin ein absoluter Optimist. Ich glaube, dass die Welt sich deutlich verbessert in den nächsten Jahren, dass wir sehr, sehr viele positive Dinge erleben werden. Deswegen bin ich auch sehr optimistisch in meinem Depot, ohne jetzt technologiegläubig zu sein oder sonst irgendwas. Aber ich bin schon sehr, sehr optimistisch, dass die Welt nicht untergeht, sondern im Gegenteil in einer phantastischen Phase der Menschheit stehen.

Peter Heinrich: Hast du eine Marktmeinung, immer eine Marktmeinung?

Jens Rabe: Immer habe ich keine Marktmeinung. Es gibt Phasen, in denen ich eine ganz, ganz klare Marktmeinung habe. Und dann gibt es Phasen, wo ich eher ein bisschen unsicher bin. Und wenn das ist, zum Beispiel aktuell ist das so, ich bin ein bisschen unsicher.

Peter Heinrich: Also aktuell Iran-Krieg, ne?

Jens Rabe: Ja, gar nicht so sehr wegen dem Iran-Krieg, sondern wie natürlich das Geopolitische, was in der Welt ist. Und wie geht es weiter mit Tech? Weil Tech ist immer ein Großgewicht in den Indizes. Und wenn wir jetzt in den Tech-Märkten komplett abschmieren würden, dann wäre das natürlich extrem nachteilig auch für die Indizes, weil eben die Tech-Aktien so eine hohe Gewichtung da haben. Und deswegen bin ich momentan ein bisschen vorsichtiger als sonst vielleicht. Und das drückt sich dann in meinem Depot aus, dass ich dann meine Risikopositionierung nach unten fahre, wo ich manchmal auch, wenn ich super optimistisch bin, auch mal vielleicht mit einem Hebel arbeite. Das würde ich momentan überhaupt nicht machen.

Peter Heinrich: Trotzdem eine ernste Frage. Ich selber war letztes Jahr fünfmal in Dubai auf diversen Veranstaltungen. Gegenüber von Iran. Momentan ist der Flugverkehr gestoppt. Es sind anscheinend auch Raketen unterwegs. Also es sind keine Flüge mehr möglich. Was hast du da für ein Bauchgefühl, wenn du da wohnst?

Jens Rabe: Es gab es schon mal, als das letzte Mal die Amerikaner in den Iran gegangen sind. Teheran liegt 1250 Kilometer von Dubai entfernt. Also so weit wie Kiel von uns. Genauso weit wie Kiel von Berlin. Und natürlich ist das eine angespannte Situation. Und gerade wenn man von seiner Familie getrennt ist, und wir sind 6000 Kilometer weg, sie kann nicht raus, ich kann nicht rein. Aber ich habe keine Angst. Ich bin da eigentlich sehr, sehr optimistisch, weil ich auch weiß, es gab wohl auch Nachrichten, dass in Abu Dhabi was beschossen wurde. Aber das sind dann amerikanische Militärbasen. Die sind seit Monaten leergeräumt. Der Flugverkehr wird einfach gestoppt in so einer Situation. Ich glaube, das macht jeder, weil er natürlich nicht die Gefahr laufen will, da ist gerade ein Angriff und wir lassen unsere Flieger da. Das ist also völlig normal. Und deswegen bin ich da jetzt nicht wirklich ängstlich. Ich habe mich hineingehört heute, als ich das heute früh gelesen habe beim Aufstehen. Aber ich bin da nicht sehr ängstlich. Aber ich hoffe natürlich, dass das alles gut ausgeht. Und zwar jetzt nicht wegen mir und wegen meinem Depot, sondern weil immer, wenn es so eine kriegerische Auseinandersetzung gibt, genau wie es in der Ukraine, das ist natürlich ganz furchtbar für alle, die dann wirklich involviert sind. Wir sind alle im sicheren Hafen weit weg, aber die Menschen, die es vor Ort betrifft, das ist, egal wo es auf der Welt ist, immer eine Vollkatastrophe.

Peter Heinrich: Jetzt eröffnen ja die Börsen erst am Montag. Entweder 0,5 Änderungen im DAX oder es rappelt?

Jens Rabe: Wir wissen es noch nicht. Ich habe heute früh als allererstes auf den Bitcoin geschaut, weil es ja der Markt ist, der offen ist übers Wochenende. Und der war heute früh irgendwie 3,5 % Minus. Jetzt ist er 2,8 % Minus, jetzt in dem Moment, wo wir hier reden. Da habe ich schon gedacht, okay, das geht eigentlich. Das ist jetzt nicht so. Ich würde natürlich jetzt annehmen, wenn das über Wochenende sich nicht entspannt. Dass der Dollar steigt, dass die Aktienmärkte ein bisschen unter Druck geraten. Aber schauen wir, wir können es ja eh nicht ändern. Und deswegen gucken wir einfach, was am Montag kommt. Ich habe keine schlaflosen Nächte, was mein Depot deswegen anbelangt, weil ich bin eigentlich so positioniert, dass ich sage, okay, alles passt. Also ich glaube auch, dass wenn man jetzt mal guckt und sagt, Öl steigt, Gold steigt, Silber steigt, das sind ja jetzt keine kompletten Trendwenden, sondern das ist ja das, was wir sowieso zuletzt gesehen haben. Also Öl steigt schon seit ein paar Wochen an, Gold, Silber, wir können darüber reden, der Dollar ist stabil seit einigen Wochen. Deswegen ist eigentlich jetzt kein wirklicher Trendwechsel. Und auch zum Beispiel die Nasdaq ist schon die ganze Zeit ein bisschen schwach. Es kann sein, dass sich das nach unten vielleicht ein wenig beschleunigt. Wir werden es sehen.

Peter Heinrich: Jens, danke für die klaren Worte. Danke.

Jens Rabe: Danke dir.  Danke für diese Möglichkeit, hier in einem für mich auch völlig ungewohnten Ambiente.

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