Maya Chaudhuri: Ja, hallo an alle. Ich bin Maya. Ich habe Physik studiert und mache jetzt SheInvest. Und SheInvest ist eine Optionsakademie für Frauen, aber wir nehmen auch Männer auf.
Peter Heinrich: Ja, und damit Sie die Stimme zuordnen können, hier ist Peter Heinrich vom Börsenradio. Wir sind unterwegs mit unserem mobilen Podcaststudio, und zwar bei CapTrader bei den Optionstagen in Düsseldorf. Ich hatte mich vorhin mit jemandem unterhalten, wo ich gedacht habe, Mensch, hier sind mehr Frauen als an normalen Börsentagen. Stimmt das so, oder ist das nur so ein Eindruck?
Maya Chaudhuri: Ich meine, jetzt bräuchte man ja echt die Statistik, aber ich habe schon den Eindruck, hier sind mehr Frauen. Also ich weiß, es ist auch nicht direkt, aber mich hat es auf jeden Fall überrascht, wie viele Frauen generell im Optionsbereich auch sind. Also es kann durchaus sein, ja.
Peter Heinrich: Zu deiner Person. 0,7er Abitur in Bayern?
Maya Chaudhuri: Ja. Komm aus Bayern. Mit 16 jetzt bist du 23, an der LMU studiert, Physik fertig, theoretische, mathematische Physik, dann warst du in Oxford auch noch.
Peter Heinrich: Wie schafft man denn sowas?
Maya Chaudhuri: Harte Arbeit, ja.
Peter Heinrich: Disziplin?
Maya Chaudhuri: Disziplin, ja. Das ist es am Ende.
Peter Heinrich: Oder Leidenschaft für Tabellen, für Mathematik.
Maya Chaudhuri: Ja, das natürlich auch.
Peter Heinrich: Es ist ja nicht ganz unlogisch dann, wenn ich in Excel-Sheets denke, dass ich dann zu Optionen komme?
Maya Chaudhuri: Ich weiß jetzt nicht, ob ich in Excel-Sheets denke, aber ja, ich finde auch tatsächlich, dass Optionen ein logischer Schritt sind, auch von der Physik her.
Peter Heinrich: Du hast einen Mentor, oder?
Maya Chaudhuri: Ja, meinen Vater.
Peter Heinrich: Deinen Vater, ne. Was macht er?
Maya Chaudhuri: Der macht auch Optionen. Der hat auch angefangen mit solchen Optionsakademien. Der hat mir auch beigebracht, was Optionen sind und so konnte ich dann mein Wissen aufbauen. Und ja, jetzt bin ich auch mit dabei.
Peter Heinrich: Also du bist durch deinen Vater recht früh in Kontakt zu Optionen gekommen. Wann hast du dann mit Optionen angefangen? Mit welchem Alter?
Maya Chaudhuri: Also am Anfang natürlich mit Paper Trading, also vielleicht so mit 14 oder so.
Peter Heinrich: Ja.
Maya Chaudhuri: Ja, also noch nicht mit einem echten Depot dann.
Peter Heinrich: Wenn man anfängt, welche Börsenregel gilt von ihm, von deinem Vater, für dich heute noch als Number One, also als kompromisslos könnte man sagen?
Maya Chaudhuri: Also natürlich gibt es ganz viele allgemeine operative Regeln, wie nicht zu viel Geld einsetzen, aber ich würde sagen, was mich am meisten geprägt hat und was vielleicht auch nicht so viele machen, ist, dass man eigentlich nicht schlauer als der Markt sein kann. Also das ist sehr schwer, den Markt zu prognostizieren und etwas zu wissen, was andere Leute nicht wissen. Das heißt, man sollte nicht zu viel Wert auf die eigene Meinung geben.
Peter Heinrich: Sag mal, ich habe es heute schon dreimal gehört, aber genau andersrum. Hab deine Meinung. Habe deine Meinung. Hättest du ein Beispiel für deine Aussage?
Maya Chaudhuri: Naja, also allein Hedgefonds, also bei Aktien ist es ganz extrem eigentlich, Hedgefonds, die meisten schlagen den Markt nicht über 10 Jahre. Ich glaube, 15% schlagen den Markt über 10 Jahre.
Peter Heinrich: Ja, nicht nur Hedgefonds. Normale Fondente schlagen den DAX ja auch nicht.
Maya Chaudhuri: Genau, das ist natürlich noch mehr. Und wenn die es schon nicht können, wie soll ich das dann in meiner eigenen Meinung können?
Peter Heinrich: Aber hast du eine Meinung da? Du musst ja eine haben.
Maya Chaudhuri: Ja, ich würde es nicht Meinung nennen, aber ich möchte immer alle Sachen mathematisch oder statistisch belegt haben. Das heißt, ich versuche Dinge zu untersuchen, die es in der Vergangenheit gab und sehe dann, okay, so läuft es normalerweise ab und dann ist das quasi meine Meinung. Aber das kommt jetzt nicht aus meinen Emotionen oder weil ich einen Zeitungsartikel gelesen habe und darüber nachgedacht habe, sondern das muss mir die Mathematik schon klar sagen.
Peter Heinrich: Mathematik, also Oxford Theoretische Physik. Was hat dir die Physik fürs Trading beigebracht? Denkst du in Formeln oder in Fehlerbalken?
Maya Chaudhuri: Ich würde sagen, dass ich in Formeln denke, ja. Also natürlich allgemein Studien lesen, Paper lesen. Ich habe weniger Angst vor Formeln, als wenn man sich mal so ein Finance-Paper anschaut. Da sind da schon immer sehr viele Formeln drin. Und ich habe gelernt, damit umzugehen und kann das auch, denke ich. Und ja, das hat es mir gebracht eigentlich.
Peter Heinrich: Hast du die Meinung zur aktuellen Marktlage? Der Iran-Krieg hat begonnen, viele haben es erwartet. Du sagst, ich muss nachgucken bei Statistiken. Wo würde man nachschauen, bei welcher Statistik das letzten Krieg irgendwo?
Maya Chaudhuri: Das fängt schon früher an. Also ich würde halt Strategien traden, wo ich weiß, dass die statistisch einen Vorteil haben. Und dann kann ich vielleicht nachschauen, vielleicht gab es da mal Tage mit hoher Volatilität oder irgendwelche Nachrichten, die gekommen sind. Wie hat die Strategie da abgeschlagen? Also war das gut? Vielleicht habe ich nämlich herausgefunden schon in der Vergangenheit, als ich mir die Strategie überlegt habe, diese Strategie sollte ich nicht traden an Tagen, wo so etwas Großes wie eine Kriegserklärung oder irgendwie sowas passiert. Oder zum Beispiel ganz einfach an FED-Sitzungen. Sowas kommt manchmal raus aus Backtests oder eben aus statistischen Untersuchungen von Strategien.
Peter Heinrich: Fasst vielleicht man sich ohne Statistiken, gut, wir haben nicht nachgeguckt, aber vorstellen könnte, nach dem Krieg Getöse, wenn es losgeht. Naja, wird der Ölpreis steigen wahrscheinlich? Nix, ja. Gold wird wahrscheinlich steigen?
Maya Chaudhuri: Ja, das kann alles sein. Das sind jetzt auch ziemlich spezifische oder für mich spezifische Dinge. Ich trade es sowieso fast nur SPX und da geht es ja vor allem um die Volatilität auch. Und da schaue ich einfach nach, würde meine Strategie so eine Volatilität historisch aushalten? Wenn ja, dann trade ich einfach weiter und wenn nicht, dann mache ich eine Pause.
Peter Heinrich: Okay, gehen wir rein. Titel deines Vortrages ist Backtesting decoded. Wenn Backtesting der TÜV für die Strategie ist, was sind deine zwei Pflichtplaketten? Beim TÜV bekommt man so Plaketten. Also In-Sample, Out-of-Sample, Walk-Forward in einfachen Worten?
Maya Chaudhuri: Das sind Methoden, um bestimmte Fehler zu vermeiden, die man beim Backtesting machen kann. Ja, und die Fehler sind vor allem Overfitting, dass man sich zu sehr an die vergangenen Daten anpasst und fehlende statistische Signifikanz, also dass man vielleicht nur einen Monat testet, was dann einfach nicht aussagekräftig ist. Und Out-of-Sample und Walk-Forward-Analyse sind dann eben Methoden, wo man das vermeiden kann. Bei Out-of-Sample-Testing teilt man einen Datensatz in zwei Teile auf. 70% sind der Testdatensatz. Da optimiere ich meine Parameter. Also da finde ich zum Beispiel heraus, was ist der beste Stop-Loss? Was ist das beste Delta? Alles Mögliche. Und dann habe ich meine Strategie mir ausgesucht oder herausgefunden und die teste ich dann auf den restlichen 30%. Also diese Daten hat die Strategie noch nie gesehen. Und wenn sie die dann auch gut kann, dann ist das eine gute Strategie oder ja, ist sie akzeptabel. Und wenn nicht, dann hat man wahrscheinlich Fehler begangen.
Peter Heinrich: Daten und die Qualität von Daten. Ist ja ähnlich wie KI, wenn die Qualität gut ist der Daten. Ich brauche gute Daten. Komme ich die her? Und ich schließe gleich die zweite Frage an. Wie wird KI das Trading verändern?
Maya Chaudhuri: Also erstmal zu den Daten. Richtig erkannt. Das ist das große Thema beim Backtesting. Für Anfänger gibt es einfach Softwarelösungen von Anbietern, die haben Daten. Zum Beispiel Option Omega finde ich ganz gut. Ich bin nicht gesponsert, aber sie können mich gerne sponsern. Genau, die bieten einfach Daten an. Sonst kann man sich auch selber Daten besorgen. Wenn man nicht so viele Daten braucht, kann man die selber sammeln. Zum Beispiel bei CapTrader über die API Interactive Brokers. Oder man kann sie auch kaufen, zum Beispiel direkt von der CBOT. Kostet dann natürlich aber auch sehr viel. Genau, also KI kann auf jeden Fall helfen bei Strategie-Ideen. Aber natürlich auch ganz pragmatisch beim Programmieren von einem Backtest kann sie helfen. Und am Ende, also ich glaube KI ist noch nicht ganz so gut, außer man hat sich ein eigenes Modell geschrieben, kann sie natürlich auch das Backtesten übernehmen, weil es ist am Ende auch nichts anderes als eine statistische Analyse.
Peter Heinrich: Ja, und früher musste man sich mit diesem Programmieren umeinander quälen. Das kann vielleicht eine KI übernehmen. Gib uns doch mal einen Minimalprozess. Also in welcher Reihenfolge testest du eine Options-Idee, damit aus dieser dann eine schöne Kurve, eine Equity-Kurve wird, damit es kein Zufallstreffer wird. Stichworte wieder Out-of-Sample, Walk-forward, Signifikanz.
Maya Chaudhuri: Genau, also wenn es ganz schnell gehen muss und am Anfang nehme ich die Out-of-Sample-Methode, also dass ich einfach den Datensatz aufteile. Ich versuche einen größtmöglichen Datensatz zu bekommen, also zehn Jahre sind da meistens ganz gut. Ja, und dann optimiere ich das eben auf diesen 70 Prozent der Daten auf den ersten sieben Jahren und dann teste ich das auf die letzten drei Jahre. Ja, und wenn es dann ins Ernste geht, also wenn sie das Out-of-Sample-Testing bestanden hat, dann kann ich die Walk-forward-Analyse machen. Die ist etwas aufwendiger. Und das ist eigentlich so ähnlich wie die Out-of-Sample-Methode, nur dass ich sie in Stufen mache. Also ich fange dann zum Beispiel an, in meiner ersten Schiene die ersten drei Jahre optimieren, dann ein Jahr testen. Dann nehme ich Jahr zwei bis Jahr fünf, optimiere darauf, teste dann Jahr sechs. Und das mache ich immer so weiter. Und dann das erste, was ich teste, sind da konsistente Parameter herausgekommen. Also ist in der ersten Optimierungsphase zum Beispiel ein Stop-Loss von 200 Prozent rausgekommen und in der zweiten dann gar kein Stop-Loss. Das wäre ein schlechtes Zeichen. Wenn in der zweiten Optimierungsphase ein Stop-Loss von 210 Prozent herauskommt als optimal, das ist auch okay. Und das zweite, was ich teste, ist, die Testphasen kann ich dann alle zusammenstückeln. Dann habe ich ja eben einen viel längeren Jahreszeitraum als beim normalen Out-of-Sample-Testing. Und dann schaue ich da, ob das eine schöne Kurve ist.
Peter Heinrich: Denken wir mal andersrum. Die drei Back-Tests-Sünden. Lockheed Bias, Outfittering. Was sind deine Selbstbetrugdetektoren? Also woran erkennst du in 30 Sekunden zu gut, um wahr zu sein?
Maya Chaudhuri: Es gibt einen Test, den man machen kann, um Event-Overfitting zu erkennen. Also dass ich mich jetzt zu sehr an ein bestimmtes Event in der Vergangenheit angepasst habe. Da ranke ich all meine Trades, die da in der Vergangenheit stattgefunden haben, von den Besten bis zu den Schlechtesten. Und dann schaue ich, ob die ersten 1 Prozent, also die Top-1-Prozent-besten Trades zehnmal größer sind als die anderen. Und wenn das der Fall ist, dann ist es schon eine sehr eventspezifische Strategie und das muss man auch bewusst sein.
Peter Heinrich: Das klang jetzt schon ziemlich heavy für Einsteiger. Stell dir vor, jemand hört zu, der gerade mit Optionen starten möchte. Morgen zum Beispiel. Oder Samstag. Okay, morgen am Sonntag schaue ich mir das an. Montag haben die Börsen wieder offen. Was sind deine drei Regeln für den ersten Monat, damit es nicht gleich Lehrgeld, sondern Lernkurve wird?
Maya Chaudhuri: Ja, also man muss noch nicht gleich mit dem Back-Testing anfangen. Es gibt bewährte allgemeine Strategien, die eigentlich funktionieren sollten. Das heißt, da muss man sich mit diesem ganzen Work-Forward-Analyse noch nicht beschäftigen. Und dann würde ich schon raten, dass man im Paper-Trading anfangen sollte, weil es auch teilweise schwer sein kann, die TWS zu bedienen. Und wenn man da einen Fehler macht, dann kann die Strategie noch so gut sein und ja, dann verliert man trotzdem Geld. Also das erstmal üben im Paper-Trading und nicht zu groß traden, nicht zu große Positionen, nicht zu viel Geld einsetzen.
Peter Heinrich: Vielen Dank, Maya. SheInvest. Und worüber ich wirklich bei dieser Veranstaltung erstaunt bin, ist, wie viele Frauen da mitmachen. Vor uns saß da jemand anders, der sagte, Männer haben so viel Testosteron, Frauen sind eigentlich viel logischer und überschätzen sich nicht und geben auch zu, wenn sie Fehler machen. Wie siehst du das?
Maya Chaudhuri: Ich glaube schon, dass Frauen teilweise einen Vorteil beim Options-Trading haben. Natürlich würde ich nicht allgemein sagen, dass Männer irgendwie da emotionaler sind oder so. Aber ich merke schon, dass Frauen etwas vorsichtiger sind teilweise und dann eben wissen wollen, funktioniert diese Strategie wirklich, bevor ich die auch trade mit echtem Geld. Dann machen sie zum Beispiel einen Back-Test und das erhöht die Erfolgschancen. Und sie wollen auch gerne einen Trading-Plan haben. Also die sagen jetzt zum Beispiel nicht, ich trade einfach nach Intuition, ich weiß schon, wenn der Markt hoch geht und wenn er runter geht, sondern ich habe einen festen Plan. Ich mache immer das Gleiche, egal was passiert und ich halte mich daran. Und das ist auf jeden Fall positiv beim Traden. Aber es gibt natürlich auch Männer, die das können und Frauen, die das nicht können.
Peter Heinrich: Drei Prozent Männer können. Maya, ich danke dir.
Maya Chaudhuri: Dankeschön.
